Warum eigentlich Faszientraining?

Faszien bestehen aus Bindegewebe und verbinden alle Strukturen des menschlichen Körpers miteinander. Strukturen wie Bänder, Sehnen, Muskelhüllen und selbst Knochen und Knorpel bestehen aus Bindegewebe. Je nach Definition kann man die Gesamtheit des Bindegewebes als Faszie bezeichnen oder aber einzelne Anteile, wie eine Muskelfaszie oder die oberflächliche Körperfaszie. Fakt ist: das gesamte Bindegewebe steht in Verbindung und beeinflusst sich- von oben nach unten, von innen nach außen…

Faszien bestehen aus Zellen, Fasern und extrazellulärer Matrix (Flüssigkeit). Sie verfügen über die Fähigkeit sich extrem gut an die jeweilige bestehende Beanspruchung anzupassen. Durch Änderung der Zusammensetzung der Anteile Zelle-Faser-Flüssigkeit werden Faszien dann fest und rigide oder elastisch und geschmeidig. Dies wiederum beeinflusst die Funktion der Faszie: eine elastische, geschmeidige Faszie nimmt Energie auf und setzt sie wieder frei, dadurch entsteht ein Katapult-Effekt und Kräfte werden mit geringem Energieaufwand weitergeleitet. Die extrem weiten Sprünge von Kängurus und Gazellen beruhen ebenso auf dieser Funktionsweise wie das Gewölbe unserer Füße: bei Belastung verformt sich der Fuß etwas, das Gewölbe des Fußes flacht sich ab und die Energie wird in der Plantarfaszie gespeichert, um direkt im Moment des Abdrucks wieder freigegeben zu werden.

Außerdem sind im optimalen Zusammenspiel zwischen Muskeln und elastischer Faszie viel höhere Belastungen möglich. Bei Messungen wurde festgestellt, dass die Kraftentfaltung zu 20-30% über die Muskeln und zu 70-80% über die Faszien erfolgt. Und je elastischer die Faszien im  Körper sind desto mehr Kräfte erzeugen und übertragen sie. Dies ermöglicht zum einen eine größere Kraftentfaltung zum anderen ökonomischere Bewegungen da die Faszie im Vergleich zum Muskel viel weniger Energie verbraucht um Kräfte zu speichern und wieder frei zu geben. Ein weiterer Vorteil von geschmeidigen Faszien liegt in der Verletzungsprophylaxe. Ob Bänderriss, Muskelzerrung oder Sehnenreizung, sie alle spielen sich im Bindegewebe ab und somit in den Faszien.

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Bildquelle: Bild A: Gitter Faszien bei sportlichen und jungen Menschen – Bild B: Verfilzung der Faszien im Alter und bei Bewegungsmangel – Aus Müller & Schleip – Terra Rosa 2007

Leider neigen unsere Faszien unter bestimmten Bedingungen zum Verkleben und Verfilzen. Durch Bewegungsmangel, Fehl- und Überbelastungen, schlechte Ernährung (z.B. zu wenig Flüssigkeit) und Stress werden nach und nach die elastischen Fasern des Bindegewebes gegen zähe kaum dehnbare Kollagenfasern ausgetauscht. Dies hat zur Folge dass die Faszie unelastisch und weniger geschmeidig wird. Der Grundtonus im Gewebe steigt, der Verlust der Gleitfähigkeit grenzt den Bewegungsspielraum der Muskulatur und Gelenke ein und damit drohen Verletzungen. Auch bei bestehenden Verletzungen ist ein gutes Fasziengewebe hilfreich: durch aktiveren Zellstoffwechsel kommt es zu verbesserten Heilprozessen.

Wie Faszientraining aussehen kann, zeige ich Dir in meinem Videokurs „Blackroll für Einsteiger“

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J. F.

Für mich gibt es keine Probleme, sondern Lösungswege – Ich finde die Ursache Ihrer Beschwerden und zeige Ihnen einen Weg zurück zur Gesundheit. Meine Stärke ist das Erkennen von gesundheitlichen Potenzialen und die Fähigkeit diese nutzbar zu machen.